Meine SX-Testanlage, Stand Oktober 2010

Für die Erprobung meiner MiniModule und der WiniX-Software habe ich einen
"Testachter" geplant. Der Gleisplan ist simpel, bietet aber genügend Fahrwege
für den Mehrzugbetrieb auf einer "Spiel-Modellbahn". Weil es mir nur auf die
Technik und Fahrlogik bei meinen Tests ankommt habe ich auf die "einfachen"
Gleisabschnitte wie Abstellgleise und Rangierbereiche (BW) verzichtet.
Durch die doppelte Gleisverbindung der mittleren Gleise werden jeweils zwei
Kehrschleifen und Gleisdreiecke gebildet, sodass alle Gleise in beiden Richtungen
befahren werden können. Verbaut sind 24 Weichen und etwa 14 m Gleis.
Farbwechsel im Gleisplan stellen Trennstellen für die Blockstrecken dar.



Die Plattenform habe ich den räumlichen Gegebenheiten meiner "Denkstube" angepasst.
Das Gleismaterial ist Spur N Minitrix, nur mit den kleinsten Radien, R1 und R2. Die Gleise
sind ohne Bettung direkt auf der 12mm Sperrholzplatte montiert (Gleisschräublein). Mit der
Bodenplatte, ebenfalls aus 12mm Pappelsperrholz, ergibt sich ein stabiles Sandwich mit
guter Zugänglichkeit der Elektronik. Die Ovale haben auf beiden Seiten Ausschnitte für den
Einbau der Module und Verdrahtung von oben.

Sohn und Enkel haben nicht nur perfekt geschreinert, sondern auch die Gleise präzise verlegt.
Schon bei der "Anprobe" kam große Freude auf. Direkt neben meinem Entwicklungsplatz
in der "Denkstube".



Wie sorgfältig meine beiden "MoBaBauer" gearbeitet habe sieht man hier:



Für den Einbau der Netzgeräte und Module ist reichlich Platz auf der Bodenplatte:

Stromversorgung:

Das Hauptnetzteil liefert die 5V für alle Module und die 24 Servos der Weichen. Das preiswerte
Schaltnetzteil ist ein meanwell S-60-5 von Reichelt.
Für den Fahrstrom und die Versorgung externer SX-Geräte mit 5-polg. DIN-Steckern habe ich
ein Universalschaltnetzteil für Labtops eingebaut, das ich irgendwann bei Pollin (günstigst)
gekauft habe. Mit 150 Watt ist das Ding zwar reichlich überdimensioniert, hat aber den
Vorteil der einstellbaren Ausgangsspannung von 15 bis 24 V. Zur Netzeinspeisung dient eine
Kaltgerätekombination mit Schalter und Filter.

Zentrale,

ist meine SX1_Minizentrale_5Volt mit USB Anschluss und Blocktransfer für alle 112 SX Adressen
bei 115200 Baud.

Booster,

ist ein Eigenbau nach dem Plan und mit der Platine von Uwe Magnus, geringfügig modifiziert
für meine Besetztmelder mit Adresserkennnung.

Weichensteuerung:

Nachdem ich mit den Spulenantrieben von Minitrix nicht die geforderte Zuverlässigkeit
erreicht habe, werden alle Weichen von preiswerten Servos unterschiedlicher Hersteller
betätigt. Meine Sx-4fach-5V Decoder habe ich so angeordnet, dass die Servokabel
nur im Westteil verlängert werden müssen, (auch ein Test). Insgesamt sind 6 Module verbaut.

Besetztmelder:

Weil es nach meiner Meinung wichtig ist, auf einer Spielbahn, ohne manuelle Synchronisation
der Anlage mit dem Steuer- und Überwachungs-PC auszukommen, führt kein Weg an den
sogenannten "intelligenten" adresserkennenden Besetztmeldern vorbei. Eingebaut habe ich
6 Stück SX_BM4i_5V.
Messschaltung und Firmware des Decoders habe ich so gestaltet, dass bei Booster AUS und
bei Kurzschluss auf dem Gleis, "Frei" gemeldet wird. Das scheint mir vertretbar, weil in beiden
Zuständen kein Zug fahren kann und es wird vermieden, dass "unsinnige" Besetztmeldungen
im Stellwerk signalisiert werden.

Busleitung:

Als Alternative zum Standard SX-Bus verwende ich mein 5Volt System mit einem 10plg.
Flachbandkabel für die SX-Signale Takt, Daten und für die Schreibleitung zur Zentrale.
Takt und Schreibsignal sind jeweils auf 4 Adern, die Datenleitung belegt die mittleren 2 Pins.
Der System-GND (5 V Versorgung und Booster-GND) ist mit 1.5mm separat installiert,
ebenso die Zuleitung für das "Blaue" Gleis zu den BM und die Zuleitung für das "Rote" Gleis
zu den Sammelstellen der gemeinsamen Blockanschlüsse.
Die Busleitung ist insgesamt etwa 3,5m lang und hat 3 Segmente.
Die Busleitung ist nicht über die Module geschleift, die ja nur 1 Anschlußstecker haben.
Die 10 plg. Schneid-Klemm-Buchsen sind auf das durchgehende Flachbandkabel gepresst.

Kehrschleifenautomat

ist das  Modul SLX805 von RautenhausDigital aus meinem Fundus.

 

Erste Inbetriebnahmeerfahrungen:

Die polarisierten Minitrixweichen erweisen sich als "Ärgerquelle". Ein besonders "mieser"
Herstellfehler ist der kurzzeitige Gleiskurzschluss beim Umschalten. Verursacht durch
Synchronisationsfehler zwischen den Weichenzungen und den eingebauten Schaltern.
Der Kurzschlussbereich ist kurz genug um ihn nur schwer finden zu können, aber lang
genug um bei Servolaufzeit 500 Millisekunden den Booster abschalten zu lassen.

Nicht viel weniger hinterhältig ist die fehlende Verbindung zum geraden Ausgangsgleis.
Ursache ist eine defekte Punktschweissverbindung, ab Werk !

Völlig unverständlich ist für mich, dass meine Fleischmann 7339 bei der Einfahrt in den
Weichenabzweig, auf 2 von 8 pol. Weichen, das Gleis kurzschließt.
Trix Loks haben das Problem nicht.
Bei einer anderen pol. Weiche ist der Versatz am äußeren Zungengelenk so groß,
dass der Spurkranz der FLM-Lok die Weiterfahrt blockiert. Die Diamantfeile behebt
diesen Fehler aber rasch.

Die Zuverlässigkeit bei geringen Geschwindigkeiten konnte ich durch Austausch der
Haftreifen-Radsätze erheblich verbessern. Erstaunlich ist für mich, dass die "teuren"
pol. Weichen mehr Kontaktprobleme verursachen als sie vermeiden. Meine erste
traurige Testerfahrung.

Besonders gefährlich für das Modellbahner-Budget ist das "Aufschneiden" der pol.
Weichen. Ausdrücklich wird im Beipackzettel auf die tötliche Wirkung solchen Tuns
hingewiesen. Zu Recht !! Nicht zuletzt deshalb habe ich in WiniX die Option
Weichenautomatik programmiert und bei Einfahrt in die stumpfe Weichenseite wird
nicht die Lok angehalten sonder die "vergessene" Weiche passend gestellt.

Alles kein Problem mit den simplen 15° Weichen und der 24° Version. Auch eine
Erkenntnis.


Servo-Zuckungen :

Häufig habe ich schon von diesem "Problem" gehört und gelesen, nebst höchst
verwunderlichen Abhilfemethoden, von Alufolie bis Einschaltreihenfolge.
Bei der Entwicklung meines Servodecoders habe ich deshalb darauf geachtet.
Bisher hatte ich nur die Testergebnisse in elektrisch "keimfreier" Umgebung.
Nun habe ich zumindest die Erkenntnis, dass auch auf der Testanlage der
"zuckerfreie" Betrieb gegeben ist, und meine Softwarestörunterdrückung wirkt,
beim Schalten der Netzspannung und bei Gleiskurzschluss.

Erstes Fazit:

Meine Entscheidung für das MiniTrix-Gleissystem war ein Fehler. Die technisch
und optisch bessere Wahl wäre Peco FineScale Code 55 gewesen, zu etwa
einem Drittel der Kosten für das Trix Material. Auch der simple Stelldraht für
die Pecoweichen ist zuverlässiger als der Gabelantrieb für die "Trixpopel".
Der Mehraufwand für das Relais zur Umschaltung der Gleisspannung am
polarisierten Herzstück ist gering und zudem nicht zwingend notwendig.
Besonders auf einer reinen "Technik-Testanlage" wäre es ein großer Vorteil,
wenn auf die Gleise und Weichen Verlass wäre.

Trotzdem habe ich nun eine brauchbare Testbasis für meine Softwareübungen
in Sachen Schalten und Fahren.

Winfried Steinhart, im Oktober 2010